Stuttgarter Zeitung vom 16.02.1999
Zurück zu den künstlerischen Anfängen.

LEONBERG. Heute sind die vier Künstler arriviert, leben in Dresden, Stuttgart, Berlin und Hannover. Aber sie sind in Leonberg (Kreis Böblingen) groß geworden. Und nun sind sie zurückgekommen - mit der Ausstellung „Come back". Bis zum 14. März ist sie im Galerieverein zu sehen.

Von Thomas Kinzel

Die vier Künstler arbeiten mit unterschiedlichen Materialien, Farben, Formen und in unterschiedlichen Stilen. Dennoch verbindet sie eines: ihre Jugend in der Stadt am Autobahndreieck. Dort wurden sie geprägt. Dort haben sie einst ihre ersten künstlerischen Schritte gewagt. Wie weit und wohin sie inzwischen gekommen sind, kann man jetzt beim Galerieverein in der Leonberger Altstadt sehen.

„Come back" lautet der Titel eines ehrgeizigen Vorhabens, das Christina Ossowski vom städtischen Kulturamt geraume Zeit umtrieb. Nach der erfolgreichen Wiederentdeckung des verstorbenen Leonberger Malers Walter Blümel sollte in einer der nächsten Kunstausstellungen der Stadt, die sie inzwischen in den Räumen des Galerievereins im Zwinger 7 (in der Nähe des Marktplatzes) präsentiert, wieder mit Leonberger Pfunden gewuchert werden. Aus einer Handvoll Künstler, die ihrer Heimatstadt irgendwann einmal den Rücken gekehrt haben, wurden vier für das „Come back" ausgewählt:
Vorbereitungen für Come Back Ausstellung in Leonberg
Als ein fruchtbarer Nährboden für die Kunst will sich die Stadt Leonberg in der Ausstellung „Come back“ darstellen Foto: Weise/factum

Der heute in Stuttgart lebende Maler Herbert Fritsch (Jahrgang 1952), die in Dresden arbeitende „Papier-Recyclerin" Brückel (1954), die in Berlin wirkende Porzellan-Künstlerin Stefanie Hering (1967) und der in Hannover lebende Rainer Mörk (1964).

Herbert Fritsch präsentiert sich mit Großformatigem als Naturalist - etwa mit Gras und Bäumen im Schnee oder mit Stilleben. Er arbeitet seit 1981 als freischaffender Maler in Stuttgart. Zuvor hatte er Raumordnung und Verkehrswesen studiert und war dann zunächst als Bibliotheksreferendar tätig.

Gudrun Brückel macht aus Altpapier Neues und Imposantes. Durch Falten, Einfärben, Ausreißen, Ausschneiden und durch Drapieren gewinnt offenbar Nutzloses unter ihren Händen plötzlich ein akzeptables Kunstformat. Die in Leonberg Geborene studierte an der Stuttgarter Akademie, anschließend an der Hochschule der Künste in Berlin. Heute lebt und arbeitet sie in Dresden. Stefanie Herings Arbeiten bestechen nicht durch Farbe, sondern durch Form. Insoweit sind ihre Porzellan-Kreationen ein Gegenpol zur bunten Welt ihrer „Come back" Gefährten. In Stuttgart geboren und in Leonberg groß geworden, machte sie sich zunächst mit Töpferei in Deutschland, Irland und in Dänemark vertraut. Den Keramikschliff erhielt sie dann an der Fachhochschule für Keramikgestaltung in Höhr-Grenzhausen. Seit 1992 führt sie eine eigene Werkstatt in Berlin.

Rainer Mörk experimentiert - auch in der Attitüde eines Chemikers- mit auffälligen Farben und großen Flächen. In Leonberg geboren, widmete er sich dem Studium der Freien Kunst an der Fachhochschule Hannover, zuletzt als Meisterschüler bei Professor Baehr. Inzwischen lebt und arbeitet er in Hannover. „Heute ist es mir zu eng in Leonberg", bekennt er.

„Come back" ist noch bis zum 14. März jeweils dienstags von 15 bis 19 Uhr, mittwochs von 9 bis 13 Uhr, donnerstags und freitags von 1S bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.


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