Cellesche Zeitung, Journal vom 30.03.2000
„Ausblicke" im hannoverschen Kubus

Findet hier nun ein Rückzug der Kunst in das Innere statt?

Von Klaus Zimmer

HANNOVER. Die Kunst hatte über Jahrhunderte ein stabiles Verhältnis zur äußeren Welt doch heute vermag sie sich nicht mehr zu definieren durch ihre Darstellung, ihr plötzliches Rätselhaft-Werden. Die Konsequenz aus diesem Verlust äußerer Gewissheiten: Der Rückzug ins Innere.
HANNOVER. Die Kunst hatte über Jahrhunderte ein stabiles Verhältnis zur äußeren Welt doch heute vermag sie sich nicht mehr zu definieren durch ihre Darstellung, ihr plötzliches Rätselhaft-Werden. Die Konsequenz aus diesem Verlust äußerer Gewissheiten: Der Rückzug ins Innere.

Burkhard Kern, Ziad El Kilani, Rainer Mörk, Irmgard Pricker und Hanna Wagenknecht haben zum Leitthema Ausblicke" ihre Arbeiten eingereicht, "Visitenkarten", wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Zum Beispiel die mitreißenden Malprozesse der Irmgard Pricker, ihr Umgang mit einer hoch differenzierten Farbigkeit der gebrochenen Töne.Bevor sie in das Studium der Malerei und Grafik einstieg, war sie als Theater-Malerin tätig. Und, was sie dort erfahren, gilt auch für ihre Malerei: Nicht der Stoff interessiert, sondern seine Verwandlung.
Das Figürliche bleibt das auslösende Moment, aber allenfalls als Fragment, unter den oberen Schichten noch zu erahnen.
Die Öl-Leinwände „Lebensraum", Mischtechniken auf Papier, wie „Schneckengang“ oder „Strandläufer“, gehören in ihrer geheimnisvollen Konstruktion zu den besten Arbeiten der Ausstellung.
Das Figürliche bleibt das auslösende Moment, aber allenfalls als Fragment, unter den oberen Schichten noch zu erahnen.
Die Öl-Leinwände „Lebensraum", Mischtechniken auf Papier, wie „Schneckengang“ oder „Strandläufer“, gehören in ihrer geheimnisvollen Konstruktion zu den besten Arbeiten der Ausstellung.

Rainer Mörk zeigt Bilder in einem ähnlichen Ansatz. In Acryllack auf Papier und Nessel steigert er die Farbdichte durch lasierende Pigmente. Das Experiment - besser die Komposition - gilt dem Synonym Haus. Fast streng-ornamental, in unterschiedlichen Perspektiven, auf dem Papier oder mit über- und ineinander verlaufenden Farbflächen, mal hart angeschnitten mal malerisch-weich.

Dieses Bild „Rot-Oranges Haus“ hat Rainer Mörk in Acryllack auf Nessel geschaffen.
Foto: Zimmer
Verglichen mit Irmgard Prickers Kompositionen meinen wir - bei aller Qualität -, einige Molltöne würden den sehr lauten Farbakkorden gut tun.

Wir kommen zu Ziad El Kilani. Der Künstler zeigt ein malerisches, figürliches Werk in spachtel-ähnlichem Auftrag, einer graublau-erdtönigen Palette, in zum Teil reliefartigem Auftrag der Ölfarben. Es sind anklagende, durch die Farbensprache verstärkte Bildkompositionen wie „Durch den Fluss“, „Endstation", „Verzweiflung", die den Betrachter in das Geschehen einbeziehen, ohne jedoch in das Theatralische abzugleiten.

Vor den Bildern des Burkhard Kerns gerät man in einen Zwiespalt: Die malerisch-großzügig angelegten sechs Ölbilder Unterholz" sind ein gutes Beispiel für das Transformieren, von Waldstimmungen. Die figürlichen Arbeiten, besonders „Pan" oder „Nymphe", wirken zu „glatt". Ein Ausrutscher des begabten jungen Malers? Neben dem von Kilani errichteten „Zelt" trifft der Besucher auf die „Ruhezone" von Hanna Wagenknecht, eine etwas naive Wandbemalung mit vorgesetzter Assemblage. Raum für Nachdenkliche? Die Ausstellung im Kubus ist zu sehen außer montags täglich bis zum 24. April.


Copyright by Rainer Mörk