zurueck Mindener Tageblatt vom 23.10.2004
Aus Gegensätzen entsteht Spannung

Mit R.F. Myller und Rainer Mörk stellen zwei Künstler aus Hannover im Alten Amtsgericht Petershagen aus

Petershagen (mt). "Durch Gegensätze entsteht Spannung", meint der Hannoveraner Künstler R.F. Myller und begründet damit warum er seinen Kollegen Rainer Mörk als Partner für die neue Ausstellung im Alten Amtsgericht Petershagen gebeten hat, die am morgigen Sonntag eröffnet wird.

Dabei gibt es durchaus eine entscheidende Gemeinsamkeit: Beide kommen aus der abstrakten Malerei und wenden sich erst seit relativ kurzer Zeit dem Gegenstand zu. Das tun sie allerdings auf völlig unterschiedliche Weise und eben daraus bezieht diese Ausstellung ihre Spannung. Den Kontakt zu Myller hatte Joachim Flintzak, Kulturbeauftragter der Stadt Petershagen, bereits 1997 bei einer Gemeinschaftspräsentation hannoveraner Künstler in Gernheim geknüpft. Er zeigte sich erfreut darüber, dass er mit der neuen Schau im Alten Amtsgericht den Blick des Publikums wieder einmal gen Hannover lenken kann. Aus unerfindlichen Gründen ist der Kontakt nach Bielefeld intensiver, aber trotzdem soll Hannover nicht außen vor bleiben“, sagt Flintzak.

Gegenständliche Malerei von R.F. Myller
(links mit seinem Apfel-Triptychon) und Rainer Mörk (vor seinem Bild "14 Häuser") zeigt die neue Ausstellung im Alten Amtsgericht
MT-Foto: Ursula Koch

Die Verbindung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion ist bei Myller (Jahrgang 1964), der in Hannover Freie Kunst und Kunstpädagogik studierte, seine Apfel-Serie. In immer neuen Techniken dekliniert er dieses Thema durch, vom klassischen Ölgemälde bis zum Holzschnitt. Sein zweites großes Thema ist die Landschaft. Das ist ein absolut klassisches Thema, bei dem ich schauen kann, was der Mensch ist, ohne den Menschen selbst darzustellen, weil er seine Spuren in der Landschaft hinterlässt“, sagt Myller. Bis auf zwei Ausnahmen stellt er jedoch keine konkrete Landschaft dar, sondern sehr reduziert die Weite der norddeutschen Tiefebene mit tiefliegendem Horizont. Dabei verwendet er als immer wieder durchscheinenden Malgrund Fundmaterialien wie Landkarten oder handgeschöpftes tibetanisches Papier.

Der gleichaltrige Rainer Mörk, in der Nähe von Stuttgart geboren, kam durch das Studium der Freien Kunst nach Hannover. Stärker als bei Myller tritt bei ihm der Symbolgehalt der dargestellten Gegenstände in den Vordergrund. Häuser, Palmen, die Sonne, Sterne und Mond kehren immer wieder. Seine beiden Großformate "14 Häuser“ (2003) und "Häuserboot“ (2004) sind als Ganzes komponiert, setzen sich allerdings aus sechs kleinen Formaten zusammen - "Sixpack“ nennt er diese Arbeiten im Baukastensystem darum auch. Ungeheuer leicht wirken seine Bilder, weil er stark verdünnte wasserlösliche Acrylfarbe verwendet. Dadurch entstehen einerseits aquarellartige Strukturen, die er andererseits durch scharfe Abgrenzungen der Formen und Farben kontrastiert. Anders als beim Aquarell lässt er jedoch die Farben nicht ineinander laufen, sondern schimmert die tiefer liegende Farbe nur durch die obere Schicht durch. "Meine Motive entstehen ganz intuitiv“, sagt Mörk und nennt damit den Grund, warum seine Darstellungen wie Manifestationen von Träumen erscheinen.

Ursula Koch

zurueck oben

Copyright by Rainer Mörk